Position: 00:35.58N 86:57.37W 17:00
Uhr
Am Morgen liegt heute neben den „üblichen
Verdächtigen“ ein Squid an Bord. Der kann doch nicht fliegen! Wird wohl mit
einer Welle hoch gespült worden sein. Um 6.30 Uhr geht hinter mir blutrot die
Sonne auf, um dann fast sofort wieder zu verschwinden, während ich durch eine
Regenwand segel. Peter hatte nachts mal kurz Nebel, ich einen wunderschönen
Sternenhimmel. Allerdings ist der so voll und unbekannt, dass die Orientierung
schwer fällt. Nach dem kurzen Regenschauer kommt der Wind. Der Wetterbericht ist
diesmal nicht mit der hiesigen Realität unter einen Hut zu bringen: wir segeln
ohne zick und zack direkt auf unser Ziel zu. 18-20kn Wind und endlich mal wieder
8 kn auf der Logge. Herrlich! Rauschefahrt, blaues Meer, Schaumkronen und Sonne.
Herz, was willst du mehr!
Peter beschäftigt sich intensiv mit einem neuen
Programm zur Errechnung der
„Polarkurve“ des Bootes Man muss diverse Parameter des Schiffes eingeben,
dann errechnet die Software auf welchen Kursen und bei welchem Wind unser Boot
am optimalsten läuft. (RTFM!)
Ich muss noch Brot backen. Eines reicht für 3-4
Tage. Und nachdem wir verschiedene Mehlsorten ausprobiert haben, geht es
inzwischen einigermassen, auch wenn bei Schräglage alles etwas länger dauert.
Die Tipps der langjährigen Blauwassersegler sagen nicht umsonst, man solle
jeweils 500gr Mehl für ein Brot abpacken. Gut gebrüllt Löwe! Wenn es hier denn
überall amerikanische Pfund gibt. Ein „Integralmehl“, etwas dunkler , wohl mit
Spelzen und Schalenanteilen, schmeckte sehr gut, erwies sich aber sehr schnell
als schimmelanfällig. Also ex und hopp, in die blaue Kiste. Unsere Idee war es,
Sauerteig-Brot zu backen. Dazu braucht man Roggenmehl und ein wenig Sauerteig,
na klar, aber das geht sehr schnell kaputt. Ein Bäckermeister bei Transocean
bietet Sauerteigpulver an. Abnahme 1 kg und 4-5 Jahre haltbar. Habe ich aus
Hamburg mitgebracht Ich msste bei der Sicherheit noch extra ins Kabäuschen zur
Ueberprüfung meines Pulvers. Jetzt haben wir ein Kilo Sauerteiggärhilfe aber
kein Roggenmehl. Das gibt es hier nirgends. Also Mehl 1150 kommt auf die kuriose
Liste der Dinge, die unsere Besucher gebeten werden uns mitzubringen. (Jürg, du
hast leider die Eiswürfelfolientüten vergessen: Hier gibt es doch nur Eiswürfel
en gros! Und in unserm Freezer ist dazu kein Platz)
Wasser hat immer noch 26 Grad, nachts ist es sogar
schon etwas kühl. Wie angenehm. Zum ersten Mal setze ich mich auch wieder der
Sonne aus. In Panama war das nicht möglich, nicht auszuhalten. Lesen. Und einen
portablen CD-Player herausholen und eine Hör-CD spielen.
Das was Peter zuhause hasst,
nämlich früh zur Nacht zu essen,
das zelebrieren wir hier. Wir essen gegen 18.30 Uhr! Um 19 Uhr ist es
stockdunkel und wir wollen doch gerne sehen, was wir essen. Nach Abräumen,
Abwasch und Aufräumen ist dann noch ab 19.30 unsere gemeinsame „blaue“ Stunde im
Cockpit. Bis einer um 20 Uhr in die Koje kriecht und der andere seine Wache
antritt. An Land, vor Anker oder am Steg hätten wir sicherlich noch einen
kleinen Schluck genommen. Hier vermissen wir keinen Alkohol und fassen auch
keinen an, wobei uns bei Schräglage immer eine verdammte Bierdose aus dem
Gemüsekühlschrank entgegen kullert. J