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Date: 02 Mar 2009 06:31:57
Title: Nachtunruhe

Gestern waren alle ziemlich müde. Karl schlug vor ob einige nicht in seinem
Gästehaus direkt am Ankerplatz übernachten wollten. Ich fand die Idee so
verlockend, dass ich mich bei Karl ins zweite Bett warf, Hier konnte mich
keiner während meiner Freiwache wecken und sagen: "Klaus, kannst Du mal
kommen, da nähert sich wieder eine schwarze Gewitterwolke." Oder kürzer:
"Komm schnell; wir müssen reffen."
Nein, hier an Land wollte ich mich mal richtig ausschlafen, die Ruhe finden,
die man an Bord nicht kennt, denn immer schlafe ich leicht, mit einem Ohr am
Geschehen. Die Bootsbewegungen, die Windgeräusche, alles wird synchron im
Unterbewusstsein gespeichert. Ändert sich da etwas, bin ich sofort wach. Man
schläft quasi mit eingebautem Alarm. Dadurch schläft man zu wenig und leidet
unter Schlafmangel.
Also, seit Monaten mal in Ruhe an Land zu schlafen war eine große
Verlockung. Jeder kennt das, das man vor Müdigkeit nicht einschlafen kann.
Und dann endlich, als mich so ganz leicht die erste leichte Müdigkeit
überkam, ging es los.
Keine 50 m weiter hatte eine Dorfdisco aufgemacht.Es fing um 24 Uhr an und
endete um 7 Uhr (!!!). Bum, bum, bum, die Bässe. Und dann diese miese Bob
Marley Kopien. Ein Song jagte den anderen, immer lauter und immer ähnlicher
klangen sie alle. Karl stöhnte neben mir.kurz auf, schlief aber weiter, was
sein leichtes Schnarchen bewies.
Ich stand im Bett! Fand keine Ruhe und hatte um 7 Uhr früh Augen so rot und
geschwollen, als ob ich eine Woche kaum geschlafen hatte.
Stimmt, genau so war es ja auch. .
Ihr könnt Euch kaum vorstellen wie ich mich freue in meiner geliebten Koje
zu schlafen.

Ein traurige Nachricht muss ich berichten. Was sich abzeichnete, ist
eingetreten: der 80-jährige James Wharram, Designer der Boote, verläßt uns.
Ihn plagen die Anstrengungen der Reise und eine länger anhaltene
Magenverstimmung. Hinzu kommt, dass sein bester Freund gestorben ist. James
ist eine Legende. Er ist der Erste, der den Nordatlantik mit einem Katamaran
1955 überquert hat. Sein sehr lesenswertes Buch darüber - Zwei Girls, zwei
Katamarane - habe ich übersetzt. An die 10.000 Pläne zum Bau seiner vielen
Katamarantypen hat er verkauft. Hunderte von Wharram Katamaranen segeln auf
den Ozeanen.
Wir wünschen James eine gute Heimreise und eine schnelle Erholung. Wir
werden ihn und sein Wissen über die polynesischen Katamarane sehr vermissen.

K. Hy.


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