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Date: 25 Jan 2009 07:50:43
Title: Webdiary

Position: 07° 23' S, 155° 34' E

Stimmungsbericht vom Paradie

Gestern wurde es uns mit der 3-tägigen Flaute zu viel.
Höhepunkt war folgender Anlass. Ich las einen Teil der ZEIT, die Nada mitgebracht hatte. In der größten Hitze fragte ich in die Runde ob jemand diesen Teil noch lesen wolle. Alle dösten vor sich hin und ich vernahm ein dünnes nee.
Kurzerhand warf ich die (organische) ZEIT ins Meer. Nach fünf Minuten sah ich die schwimmende ZEIT vor unserem Boot. Wir drifteten also rückwärts. Woraus Hannes meinte, wir segeln der Zeit hinterher. Wohlwar!
Gegen Mittag nahmen wir unser Dingi zwischen die Rümpfe , legten die Schleppleine über die
beiden Klampen, gaben vorne Wasserbalast hinein, Matt startete den Motor.
Gott sei Dank sprang er mit der gestückelten Benzinleitung an. Nachdem wir
das Boot zehn Minuten geschleppt hatten, alles ok war, ging Matt aus dem
Dingi und quasi mit remote control zog das Dingi uns die letzten 16 sm nach
Mono Isl. Im letzten Büchsenlich kamen wir an, umlagert von Dutzenden von
Kanus. An Land wurden Feuer angezündet. Man hörte die Kinder lachen. Eine
tropisch fremde aber jeden mitreissende Stimmung entstand.
Aus dem Buch "Lonely Planet" wussten wir, dass es hier an Land besonders
gläubige Christen gab. Da dürften wir sicher sein vor Dieben.
Heute Morgen haben wir uns vom Chief der Erlaubnis geholt, hier ankern zu
dürfen. Ich gab ihm eine gebrauchte Pfeife aus meiner Sammlung und ein
Fischmesser aus Friedhelm Sträters (DYC) "Geschenkkiste". Er hatte uns mit
verschiedenen Messern und Chirugischem Besteck - alles Made in Solingen - versorgt. Danke Fiedhelm (!)
Inzwischen war auch ANUTA eingettroffen, die die Nacht vor der Insel
verbracht hatten.
Dann lernten wir Tom kennen, einen Mann von Tikopia, der hierhin geheiratet
hatte. Ich begrüßte ihn auf Tikopianisch: "Tanaka faka Tikopia?" (Bist Du ein
Mann aus Tikopia?), Er war natürlich verduzt, aber gleich darauf hatte er
sich gefasst und bot mir den Polynesischen Nasenkuss an. Sehr zum Staunen
von Nada, Matt und.Hannes. Hannes fragte mich später, was ich ihm denn für
eine "Zauberformel" erzählt hätte.
Tom ging mit uns über die Insel. Seit dem Tsunami im April 2008 oder 2007 (so
genau kennt keiner das Jahr) sind viele ins Innere der Insel gezogen,
nachdem alle Häuser in Ufernähe zerstört worden waren. Nein, Tote gab es
nicht, denn es gab eine Radiowarnung. Auf dem, Weg gingen wir in eine Kirche, die mehr einem
Gospeltheater entsprach. Tom ließ Kokosnüsse aus den Palmspitzen holen, wir
knabberten an Zuckerrohr, begrüßen ständig Menschen vor ihren Hütten in
Sonntagsstimmung.
Allen rannte der Schweiß aus den Poren, da kein Wind aufkam. Als wir endlich
wieder am Strand waren,, war jeder erschöpft. Besonders Matt, der seine
Infektion noch nicht überstanden hatte.
Ich tauschte am Nachmittag eine alte kleine weiße Tonpfeife mit einer Schnitzerei eines Schiffes und eines Ankers gegen ein Messer und eine Pfeife. Die alte Pfeife hat bestimmt ein Seemann geschnitzt, denn sie wurde an der Wasserquelle gefunden wo auch wir Morgen Wasser nehmen werden. Die Vorfahren der jetzt so gottgläubigen Einwohner töteten im Jahr 1842 18 Seeleute des britischen Walfängers OFFREY. und 20 Jahre später 33 Crew des amerikanischen Schiffes SUPERIOR. Ob mein Seemann einer von ihnen war?
Morgen ist Markttag. Von dem was wir gesehen haben, gibt es hier alles an Obst und Früchten was das Herz begehrt. Und zwar in einer Qualität von der jeder Mitteleuropäer nur träumen kann.
Ja was machen wir denn heute Abend?
Nun, wir gehen ins Kino. Es gibt Phantom. Natürlich ein Video, das Vorführgerät mit Generator angetrieben. Eintritt 2 Solomon $ (70 Cents). Das Kino ist unterhalb eines der Stelzenhäuser. Man sitzt auf Brettern..
Noch nie haben wir in so kurzer Zeit so viel Wasser verbraucht. Wir haben nur noch 2 Behälter von 32. Das lag wohl an der Hitze während der Flautentage. Da hieß es trinken, trinken, trinken. Wir waren gewarnt, denn zwei von uns hatten bereits einen Hitzschlag bzw. waren dehydriert.
Also Morgen geht es erst einmal zur Quelle. Danach gibt es ungechlortes Quellwasser mit den schönsten Früchten der Welt.

K. Hy.

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