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Date: 19 Mar 2009 22:49:02
Title: Die große Feier

Es ist einer der letzten Tage an dem ich in meinem winzigen "Kabuff" sitze und einen Blog schreibe. Übermorgen werde ich das Satellitentelefon abbauen.
Es ist also Zeit, mich für Euer großes Interesse zu bedanken. Ich weiß, dass viele mitgefiebert haben und uns mit besten Wünschen begleitet haben. Ich möchte mich auch für die vielen persönlichen Glückwünsche bedanken. Aus den Emails sprach eine tiefe Teilnahme an unserem Projekt. Ich war bei manchen Emails tief gerührt und es zeigte mir, dass es kein oberflächiges Interesse an unseren Abenteuern war, sondern ein menschliches, das seine Wurzeln in der des Mitgefühls hatte.
Gestern hatte ich das erste Mal Gelegenhei,t sieben Männern das Boot zu erklären. Wir fingen mit den wichtigsten 6 Knoten an und manche begriffen sie auf Anhieb, wenn auch einige z. B. den Palstek beherrschten. Es war nicht genug Wind, um zu segeln. zuvor hatten die sieben Männer das Boot, das hoch auf den weißen Strand gezogen war, auf den Baumrollen wieder ins Wasser geschoben. Es ging genau so einfach und "reibungslos" wie das Hinaufziehen mit der Hilfe von Männern, Frauen und Kindern.
Also, vorgestern war das große Fest der Taufe. Am Morgen regnete es und war grau. Die vier Häuptlinge kamen erst um 12 Uhr zusammen anstatt um 9 Uhr. Sie tragen zum Zeichen ihrer Würde lange Haare. An diesem Tag trugen sie Tapa-Lendenschürze (Tapa = weiches Material aus dem Inneren der Maulbeerbaumrinde) oder einen lava-lava-Wickelrock und darüber die Häuptlingsmatte mit roten Mustern auf beigem Material. Als Schmuck trugen sie Blüten in den großen Ohrlöchern, einen kleinen Kranz aus Tumerikblättern, einen geknickten Pamlmwedelzweig um den Hals (tragen nur Chiefs) und einen Palmwedel, der zwischen Tapa und Haut in den Rücken gesteckt wird und über den Kopf hinaus ragt.
Ich wurde in das Häuptlings-Fale gebeten, nachdem ich auch Tapa und Häuptlingsmatte umgelegt bekommen hatte. Zuvor wurde ich noch mit gelbem Tumerik (gelbwurz) an den Armen dekorierrt. Die drei Chiefs von der anderen Inselseite begrüßeten mich mit dem "songi", dem polynesischen Nasenkuss, bei dem man ein wenig seufzt.
Wir saßen im Lotusitz und ich verteilte meine Geshenke: Ein T-Shirt unserer Expedition und für jeden Chief vier Pfeifen - wie könnte es auch anders sein.
E wurde geraucht, geplaudert und die von mir aus Vanikoro mitgebrachren Betelnüsse wurden gereicht und mit Kalk und einem Blatt der Pfefferpflanze gekaut.
Dann passierte etewas was ich nur aus Deutschland kannte: Es wurde von außerhalb des Hauses zur Eile gerufen, denn die Priester wartetetn im Ornament auf den Beginn der Taufzeremonie.
Es war immer noch grau und hatte gerade aufgehört zu nieseln.Der Ex-Bischof der Anglikanischen Kirche im Ornat, die drei Priester ebenfalls, Messdiener, Weihrauchschwenker, dann die prächtig geschmückten Häuptlinge. Es war mehr wie im Mittelalter als in der Jetztzeit. Eine Prozession in Richtung Boot begann. Vorne die Kirchenmänner, dann die Häuptlinge und am Schluss ich. Wir schritten durch ein Spalier von Insulanern. Es wurd die englische Version von "Großer Gott wir loben Dich" gesungen. Das Boot war wunderschön mit jungen Palmwedeln dekoriert. Vor dem Boot dann die ganze Liturgie der Taufe. Mit Weihrauch, mit Weihwasser. Mehrfach wurde das Boot umkreist, dabei wurden neue Lieder angestimmt,. Dann taufte Artiki Kafika das Boot mit Kokosnusswasser.Und nach einer halben Stunde ging es zum Festplatz zurück.

Unter einer Zeltplane nahmen wir auf einer 2 m Erhöhung auf Matten Platz. Links der Ex-Bischof und drei Priester, dann die vier Chiefs und außen rechts ich. (Später hörte ich, ich hätte ausgesehen wie Chief number 5)
Der Platz unter den Bäumen mit dem hellen von Laub befreiten Sand und den schützenden großen Bäumen war gefüllt mit Menschen.
Der Sprecher der Chiefs begann mit seiner Dankesrede für das Boot und zollte unserer Reise tiefen Respekt.
Dann wurde das Essen, das in Bananenblatttaschen serviert wird, angeboten. Es gab gekochte Kasava, Brei aus Taro und aus Bananen, Kokosnussschalen mit Sagopalmstärke und Kokosnussmilch plus Papayas, Fisch, Taros und ein paar Lobster.
Danach sangen die Kinder ein wunderschönes Lied über Tikopia, das ein australischer Segler getextet und komponiert hatte. Ich habe den Text in einer Kopie dabei. Das Lied rührte uns sehr, ein Grund, dem Autor einmal später zu gratulieren.
Danach bekamen wir alle Fünf unsere Geschenke. Ich bekam einen Speer mit Schnitzereien, eine Holzschale mit Kokosnussschnur (Brautpreis), einige Halskeletten mit Fischhaken.
Danach trat eine 20-kölpfige Tanzgruppe auf. Alle wunderschön dekoriert, natürlich in Tapa-Lenschürzen. Sie hatten Tanzschilder in der Hand und ich ließ mir von Ariki (Häuptling) Tafua die einzelnen Bedeutungen der Tänze erklären.
Ein Trommler gab den Rhythmus an.
Eswar Zeit für meine Rede und da ich weiß, dass Tikopianer zum Leben gerne "Stories" hören, spiekte ich sie mit kleinen Geschichten. Ich sprach über den Bootsbau, die Reise und darüber, das Tradition weniger mit Vergangenheit zu tun hätte als vielmehr mit Zukunft.
Ein unvergessliches Test ging langsam zu Ende....
Ich werde jetzt den neuen Männern das Boot erklären, dann ist meine Aufgabe erfüllt. Und das ist gut so.


K. Hy.




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