logo Mit der Aqua in die Karibik AquAT 2011-2012
Date: 03 Mar 2012 18:26:58
Title: In Kingston

In Kingston
17:56.7N 76:46.4W

Die Aqua ist wieder "online"!

Nach unserem Computerausfall ist die Aqua (hoffentlich) wieder "online".
Gitti hat den alten (Brasilien-)Computer mitgebracht, und nach einem Tag Installation
scheint es wieder ok.

Zuletzt sind wir südlich von Haiti vor dem Wind gekreuzt, haben Gewitter abgeschüttelt
(im wahrsten Sinn des Wortes).

Dann hat der Wind nachgelassen (17 - 22 kn), etwas gedreht, wir sind unter Spinnaker gegangen.
Schon das Setzen war nicht ganz einfach, der Wind hat den Spi auf halber Höhe erwischt,
die dicke Blase hat uns längere Zeit fest aufs Ohr gelegt. Dann ist aber alles sehr gut gegangen,
7 bis 8 kn, so tief wie möglich. Kurz vor 2000 Uhr haben wir einen nahe passierenden Frachter
durch beleuchten des Spis mit dem Decklicht gegrüßt.
Leider hat der Wind dann südlicher gedreht, um 2000 haben wir uns zum Bergen entschlossen.
Obwohl stockdunkel, war alles sehr gut vorbereitet, Licht an, Lee-Achterholer herinnen,
Baum abgetoppt und vorgerichtet, Spi aufgestochen, Fall gefiert, ... - aber leider,
so sehr wir ziehen, das Fall rührt sich keinen Millimeter!
Was tun? Aufentern, abschneiden? Aber inzwischen wird der Winddruck mehr, das Boot ist
kaum zu steuern. Zuerst holen wir mit letzter Kraft (und rauchenden Handschuhen - GottseiDank)
das Unterliek über den Großbaum und binden so den unteren Teil des Spis in Luv zum Mast.
In Lee, hinter dem Großsegel, bleibt eine Blase, aber durch das ständige Hin und Her dreht er
sich immer weiter ein und die Blase wird kleiner. Dann heißt es aufentern, zuerst mit dem Fockfall,
das rasch zur Hand ist. Oben zeigt sich dann sofort das Problem:
Die Schot ist seitlich zwischen Rolle und Käfig des (Seldon-)Blocks gerutscht und klemmt
völlig unbeweglich. Am Fockfall hängend läßt sich die Sache zwar genau sehen, aber nicht
beheben, ich bin zu tief. Die Crew arbeitet rasch: Die Dirk wird ausgehängt (vom ausgebaumten Groß),
ein Snatchblock in die Lochschiene gesetzt, die Dirk umgelenkt und mir heraufgegeben; ich kann
mich umhängen und nach fieren des Fockfalls an der Dirk den letzten Meter noch aufsteigen.
Jetzt schäkle ich den ganzen Block ab, der Spi kann nach unten geholt werden, leider nur, wenn ich
Hand über Hand das Fall aus dem Baum heraushebe.
Jedenfalls, nach ca. 1 1/2 Stunden ist der Spi herunten. Ein großes Lob dem Ruderänger,
der das Pendeln die meiste Zeit hat verhindern können.
Jetzt noch rasch auf den neuen Kurs halsen - aber leider bricht der Schäkel, der die Blöcke
der Großschot mit dem Travelerwagen verbindet!

Auf dem neuen Kurs fahren wir unter Motor, mit ausgebaumten Groß, Wind um die 20 kn,
direkt auf unser Ziel zu, noch ca. 90 Meilen. Die weitere Nach bleibt unverändert, eigentlich
ruhig, bis auf Wellenberge, die immer wieder dazwischenfahren und das Boot fest schütteln.
Im Morgengrauen dann der Landfall, Jamaika in Sicht!
Ca. 30 Meilen fahren wir am Land entlang, immer wieder von Regenschauern beim Fotografieren behindert,
bis Kingston, unser Ziel auftaucht.
Die Regenwolken sind inzwischen weg, die Sonne strahlt, das Meer tiefblau - und der Wind nimmt zu!
Bei gut 25 bis 27 kn durchfahren wird den East Channel, zwischen Tonnen und Korallenbänken,
direkt vom dem Wind, mit 8, 9 kn Fahrt, dazwischen immer wieder am Surfen. Und fast die
ganze Einfahrt begleitet und ein lustiger Delfin, schnaubend und springend.
Die Einfahrt ist navigatorisch einfach, hinter einer langen Halbinsel, den Palisadoes,
bergen wir das Segel und funken mit der Coastguard. Nach vielem Hin und Her sollen wir
zu Morgans Harbour (von uns aus in direkter Sicht), aber dort ist kein Platz, die Stege vergammelt,
niemand nimmt Notz von uns.
Jetzt entscheiden wir uns, zum Royal Jamaican Yacht Club weiter zu fahren, der auch
hinter den Palisadoes, jedoch ca. 5 Meilen weiter innen liegt.
Ja, dieser Hafen ist sehr groß, und der Wind wird mehr. Zuletzt motoren wir gegen 30 kn,
kurz einmal 35 kn, gegen die kurze, steile Welle.
Um 1400 erreichen wir dann den RJYC, mit Holzstegen unter Mangoven, mit Strom und Wasser,
mit freundlichen Nachbarn, die beim Anlegen gern helfen, Eddy aus Kingston und Paul aus Florida.
Hier ist das Wasser warm und ruhig, nur der Mast steht im Wind und singt.
Von einem schattigen Platz unter Bäumen beobachten uns schon
zwei Zollbeamte, die ganz genau gewußt haben, dass wir kommen. Der erste Teil des Einklarierens
findet auf der schattigen Terrasse des RJYC statt, neben einem hellblauen Pool. Die Anzahl der Papiere
ist groß, mir gehen alle Crewlisten aus, und alle Kopien von diversen Bootspapieren.
Dann geht es zum Boot, hier wird weiter administriert.
Aber am Abend kommen noch die Beamten der Grenzpolizei und des Sanitätsdienstes,
nochmals der Zoll. Und sie kündigen sich für Samstag nochmals an.
Ja, es dauert, aber alle sind - zum Teil sogar sehr - freundlich.

Am Abend besuchen wir noch ein bekanntes Einheimischen-Lokal in Kingston, Pork, Chicken, Fish
am Holzrost gebraten, mit Sweet Potatoes und Red Stripe. Von Gernot und Arnulf verabschieden wir uns,
Elisabeth und Uli sind schon hier, Gitti kommt vom Flugplatz direkt ins Lokal.
Dann ist ein Tag Putzen, Reparieren, Rasten (?) geplant.

Insgesamt war die geloggte Distanz 1.006,3 Meilen. Wir sind echt froh,
dass der Hafen so groß ist!
Unterwegs waren wir 5 Tage und 20 Stunden (bis Port Royal Harbour),
ein Schnitt von knapp unter 7,2 Knoten.

Dockside-ige Grüße von der Aqua ist kontinentale Österreich.

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