2. März 18 – 3. Tag - Fischerne tz bye-bye – Glück im Unglück

Niki.schmidt.warc
Sat 3 Mar 2018 19:02

02:03.121S 93:22.750W

Ich übernehme die Schicht um 0000. Ich habe vor dem Zukojegehen eine Flasche Wasser in den Eisschrank gelegt und freue mich jetzt schon darauf. Noch kurz eine Brausetablette mit etwas Mineralien hineinwerfen, Schwimmweste anziehen und dann rauf ins Cockpit.

Es gab nichts besonderes zu berichten ausser einem Fischerboot, welches auf unserer Steuerbordseite etwa 5 Meilen weg seine Runden dreht, und so geht Steve schlafen. Es ist eine wunderbare Nacht mit vielen Sternen, einem Mond der so hell ist, dass man lesen kann ohne Lampe, und tatsächlich auch mit etwas Wind. Ich beschliesse bei 8 Knoten Wind achterlich die Segel zu setzen. Leider ist das etwas laut – (die Winchen dröhnen über den Köpfen der Schlafenden), aber immerhin, dann kann der Motor danach wieder mal schweigen. Also Gross rauf, Genua raus und schon bald sind wir mit 5-6 Knoten unterwegs. Der Wind nimmt zu und bald sind wir sogar mit 7 Knoten unterwegs... bis, und ich schaue gerade auf unser Speedometer, das Boot sanft innerhalb von 5 Sekunden auf 1.5 Knoten abgebremst wird. Mir schwant Schlimmes, aber dann denke ich wieder, das kann sicher nicht sein, nicht bei uns!

Wir beschleunigen nicht mehr, ist ja auch logisch, und ich klinke mich auf der Backbordsicherheitsleine ein um einen kurzen Gang raus aus dem Cockpit zu machen. Tatsächlich, da schwimmt eine kleine Plastikflasche neben unserem Boot. Ich hole den Bootshaken und ziehe sie rauf und tatsächlich daran hängt eine Leine, welche wie eine Gitarrenseite gespannt ist. Ca. 6 mm dickes Nylon, welches nun von achterlich aus dem Dunkeln kommt und unter unserem Bug verschwindet. Die Leine hängt im Kiel..... – ich wecke alle und innerhalb von kürzester Zeit sind alle draussen mit Schwimmwesten. Unterdessen rolle ich die Genua ein und nehme das Gross voll dicht um die projezierte Fläche zu reduzieren (Druck aus dem Segel zu nehmen). Wir bewegen uns nach wie vor mit 1 Knoten. Da die Leine so gespannt ist, haben wir theoretisch eine Chance, retour rauszufahren. Ich starte den Motor und wir fahren langsam retour. Die Boje bewegt sich aber nicht.... Wir bleiben dran und fahren mit 3 Knoten retour gegen den Wind – eine interessante Vorstellung mit gesetztem Segel. Doch plötzlich scheint es wie wenn der Druck auf die Leine nachlässt und wir sind glaube ich frei. Wir fahren nochmals 20m und drehen dann ab, die Frage ist nur auf welche Seite? Hmmm... Steuerbord von uns hat es 3 kleine Lichter, vermutlich die Fischer in einem Abstand von etwa 2 Seemeilen. Ich gebe Gas und es passiert nichts! Wir kommen trotz vollem Schub nur auf ca 3 Knoten. Wir hängen wie der Fisch im Netz. Ofenbar zur ersten Leine raus in die zweite rein. Mit der Stirnlampe sehen wir, dass wir im Kielwasser zwei gespannte Leinen hinter uns herziehen. Ich nehme an, dass diese am Kiel vorne hängen. Steve versucht die Leine mit dem Bootshaken zu erreichen. Sie ist etwa 1 m unter Wasser und es ist wieder so eine dicke Nylonline. Er holt sie rauf und ich setze das Messer an: Es braucht überhaupt keinen Druck und die Leine ist durchgeschnitten – da wird heute ein Fischer keine Freude haben, aber das ist nicht unser Problem bei unmarkierten Netzen. Die Leinen sind weg, der Spuk vorüber und wir gehen Schlafen. Simone übernimmt die nächste Wache.

Am morgendlichen Kurzwellentreffen vernehmen wir, dass heute Nacht 10 Boote unserer Gruppe in ein Netz gefahren sind...

Steve macht heute Feuerwehromeletten mit viel Zwiebeln, Knoblauch, Peperoni, Tomaten (und für ihn und Simone mit Käse und Schinken). Das nächste was gegessen werden muss sind die Tomaten und die Ananas. Heute gibt es also einen richtig gesunden Tag. Er hat ja auch schon ‘gesund’ angefangen. Ich habe nämlich heute morgen mein kleines Mosquito wieder mal gesehen, welches sich seit etwa 2 Wochen bei mir in der Koje versteckt. Jeden morgen habe ich 1-2 neue Stiche – aber morgen wird das anders sein. Ich habe sie nämlich erwischt, diese Mücke, und heute musste sie Blut lassen!! Unglaublich, wie lange sich das Vieh verstecken konnte.

Der Wind ist weniger als von allen grossen Wettergurus erwartet. Wir befinden uns in der Innertropischen Konvergenzzone (heiss mit grossen steigenden Luftmassen) was uns auch etwas Wind bringen sollte. Es sind vorallem Böen und Schauerböen vorausgesagt, wir haben aber hier weder Wind, noch Schauer, noch Böen.... Wir segeln langsam mit 6-7 Knoten dahin, leider nicht mit optimalem Kurs, aber wir müssen den etwas der Geschwindigkeit opfern.